2. Brief aus Ghana
GHANA, Cape Coast
Juni 2010
Korruption
in einem armen, reichen Land
* Dies ist der 2. Blog-Beitrag von Tonia Druba (HCO-Abitur 2009)
* Tonias erster Ghana-Report
* Info über den E-Mails-Austsausch Kladow - Cape Coast
Ghana ist ein armes Land, ist reich an Rohstoffen Land und hat ein Riesenproblem: die Korruption. Davon möchte ich euch in diesem, meinem 2. Blog-Beitrag berichten.
Das Land im westlichen Afrika empfängt grosse Summen von der Weltbank zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, aber von dem Geld kommt komischerweise kaum etwas bei der Bevoelkerung an. Viel fliesst, so liest man, in die Taschen der Mächtigen und ihrer Familien.(1)
Auf der anderen Seite werden die Schulen in Ghana sehr wenig unterstuetzt. Viele haben nicht einmal Waende zwischen den verschiedenen Klassenzimmern. Auch die Krankenhaeuser sind keinesfalls gut ausgestattet.
Das Schlimmste ist, dass, egal welchen Job man macht, man einen Hungerlohn dafuer erhaelt. Egal ob LehrerIn, Bauarbeiter, PolizistIn oder Krankenschwester. Sie alle werden so schlecht bezahlt, dass es dazu fuehrt, dass alles langsam laeuft, weil die Angestellten manchmal nicht zur Arbeit kommen, da sie auch einen anderen Job annehmen muessen, um zu ueberleben. Darunter leidet also auch die Bildung, weil die LehrerInnen und ProfessorInnen in der Regel nicht regelmaessig erscheinen.
Dann kommt es zu Korruption. Polizisten bauen an willkuerlichen Stellen eine Sperre auf, an der man etwas lassen muss, bevor man die Strasse passieren darf. Wenn man will, dass die eigene Akte im Krankenhaus bearbeitet wird, muss man dafuer zahlen.
Anders
ist es in den privaten Kleinunternehmen, wie Strassenlaeden,
Taxifahren und Kleidungshaendel. Dort geht es sehr ehrlich zu. Die
Korruption in den oeffentlichen Institutionen (2) zerstoert jeglichen
Versuch, ein faires Leben zu fuehren. Die PolitikerInnen hier, so
sagen die Ghanaer, sind durch und durch nur an sich selbst
interessiert und tun nichts, um ihrem Volk zu helfen.
Yendi, Ghana, Northern Region
HOFFNUNG?
Es liegt nun an der juengeren Generation, dieses System zu aendern, denn Ghana ist reich. Reich an Rohstoffen: Gold, Bauxit, Kakao, Kaffee.
Trinkt
man hier Kaffe?? NEIN! Viel zu teuer.
Haehh? Ich dachte Kaffebohnen
wachsen in Ghana zu rauhen Mengen?
Ja, aber die Industrien, die den
Kaffe herstellen, sind im Ausland. Dort entsteht erst der eigentliche
Gewinn. Wenn der Kaffee dann wieder von Europa nach Ghana geschifft
wird, ist er so teurer, dass ihn sich hier kaum jemand leisten kann.
Das gleiche gilt fuer Kakao. Ghana ist Kakaoexportweltmeister. Es gibt hier nur eine Schokoladenfabrik und eine Schokoladensorte, die fuer die meisten sehr teuer ist, denn wer kann sich mit diesen Hungerloehnen Luxus goennen? Mit Gold koennte man so viel Geld machen. Aber die Fabriken sind im Ausland oder im Inland von Auslaendern gefuehrt, die den Ghanaern keine guten Loehne zahlen.
Kakao-Früchte
Die PolitikerInnen schliessen schlechte Vertraege mit dem Ausland. Zum Beispiel der neue Oelfund in Ghana geht nun billig ans Ausland, weil die Vertragsschliessenden, sich mit kleinen Prozenten zufrieden geben.
Diesem Frust, den ich von den GhanaerInnen mitbekomme, wird aber grosse Hoffnung und Zuversicht entgegengebracht. Das ist auch gut so. Neid oder Hass haben definitiv keinen Sinn.
Wenn man die bunten Kleider, die hoeflichen und respektvollen Traditionen betrachtet, merke ich, wie reich Ghana ist. Nach aussen hin, erscheint Ghana als unbedeutendes Entwicklungsland, aber die Ideen und Weisheiten, die hier umgehen, sind mindestens genauso oder mehr wert als materieller Reichtum.
In dieser Hinsicht kann sich auch der sogenannte entwickelte Westen um einiges verbessern. Dann wuerde es ihm besser gehen.
Das naechste Mal moechte ich von den Grossfamilien, den „extended families“ berichten, denn auch diese sind ein interessanter Punkt im Leben Ghanas.
Eure Tonia
Abiturientin HCO 2009
tonia_druba@web.de
Zur Rechtschreibung: Die Umlaute ä, ö und ü sowie das köstliche Esszet (ß) sind Eigenheiten der deutschen Sprache und deshalb auch nur auf deutschen PC-Tastaturen sichtbar vorhanden. (Bei nicht-deutschen Tastaturen kann man über Tastenkombinationen diese Zeichen erreichen.)
Des Lokalkolorits wegen wurde die Originalschreibung von Tonias Ghana-Report beibehalten.
Heun
Zitate zur Korruption in Ghana:
1. Eine Gallup-Umfrage in Ghana
Demnach glauben nahezu alle Ghanaer, dass Korruption in ihrem Land nicht nur existiert, sondern sieht sich eine Mehrheit auch regelmäßig damit konfrontiert. Mehr als Dreiviertel der Ghanaer hält die Polizei für korrupt.“
http://fm4.orf.at/stories/1644531/
Laut TRANSPARENCY INTERNATIONAL, einer Organisation, die sich der Bekämpfung der Korruption weltweit verschrieben hat, gilt Ghana in dem Bereich „öffentlicher Dienst“ zu den am meisten von Korruption betroffenen Ländern. In anderen Bereichen (Wirtschaft, Parteien, Parlament, Medien, Rechtsprechung) wird in diesem Report Ghana zwar auch als von Korruption betroffen charakterisiert, aber in einem etwas geringerem Maße.
Quelle:
Transparency International Global Corruption Barometer 2009
http://www.transparency.org/news_room/latest_news/press_releases/2009/2009_06_03_gcb2009_en
2. Die Bertelsmannstiftung
(2008) über die Entwicklung in Ghana: „wichtige Probleme wie insbesondere die hohe Inflationsrate und die Korruption in der Verwaltung“
3. Zur Beteiligung der deutschen Wirtschaft
an der internationalen Korruption schreibt die ZEIT am 10.4.20010:
„ Korruption: An den Pranger
Der Mercedes-Hersteller Daimler wurde von einem amerikanischen Gericht wegen Bestechung zur Strafzahlung von 185 Millionen Dollar verurteilt: Korruption muss entschlossener bekämpft werden. Gerade das exportstarke Deutschland braucht saubere Geschäfte. „
In diesem Artikel wird auch Ghana erwähnt.
http://www.zeit.de/2010/14/Argument-Korruption
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