Dienst in Ghana
In einer anderen Welt,
die doch so gleich ist ...

Nun leistet sie ein Freiwilligenjahr in Afrika, GHANA, Cape Coast.
Sie wird an dieser Stelle regelmäßig berichten.
Hier ihr 1. Bericht: Maerz 2010
Nie haette ich gedacht, dass es so wird, wie es nun ist. Vor 6 Monaten, im September, bin ich in Ghana gelandet. Mein Traum war es schon immer, Afrika kennenzulernen. Schliesslich konnte ich meinen Traum durch einen einjaehrigen Freiwilligendienst verwirklichen. Eher durch Zufall wurde ich von meiner Organisation nach Ghana versandt. Ich bin so froh, dass sie Ghana fuer mich ausgesucht haben! Es haette kein besseres Land fuer mich geben koennen.
Costal Coast
Nun wohne ich also in meiner Gastfamilie, habe mein eigenes Zimmer, einen Ventilator und einen kleinen Schrank. Schraenke sind hier eher ungewoehnlich, meistens lebt man aus seinem Koffer.
Da ich in der Fante-Region lebe, ist das typischste Gericht Fufu. In Ghana gibt es ueber 40 verschiedene Sprachen. Das kommt daher, dass es ueberall verschiedene Bevoelkerungsgruppen gibt. Manche sprechen Twi, Fante, Ga oder Ewe. In Cape Coast sprechen die Leute eben Fante. Es gibt auch andere Gerichte, wie Banku, Kenkey mit Lightsoup oder gebratene Kochbananen mit Bohnen - die schmecken mir vorzueglich!
Habt ihr schon mal was von Cassava, Plantain (Kochbananen) oder Yam (aehnelt unserer Kartoffel) gehoert? Ich nicht, bevor ich herkam. Gerichte, die bei uns gang und gäbe sind, Pizza, Currywurst oder Pommes mit Ketchup oder irgendwelche Gemueseeintoepfe, isst man hier so gut wie gar nicht. Vom Doener natuerlich ganz zu schweigen!
Auch gibt es hier keine Supermaerkte oder Kleidungslaeden, wie H&M, sondern alles wir von kleinen Holzlaeden aus zum Verkauf angeboten.

Wie ihr seht, ist hier so einiges anders. So jedoch nicht in der Schule. Zumindest auf den ersten Blick ....
Als ich im Harris School Complex ankam, kam ich mir vor wie in der HCO. Nein, ganz im Ernst. Die Schule hat eine sehr gute Architektur - fast besser als an der HCO. Die Fenster der Klassenzimmer sind, anders als bei uns, mit Klappfensterlaeden ausgestattet, damit der Wind die staendige Hitze vertreiben kann, in dem er durchs Zimmer stroemt. Ausserdem gibt es ein Lehrerzimmer und sogar eine kleine Bibliothek, die aber leider ausser alten Schulbuechern nicht viel Literatur enthaelt.
Beim genaueren Hinsehen fiel mir natuerlich auf, dass viele LehrerInnen ihre SchuelerInnen mit einem Stock auf die Innenhand oder den Po hauen, wenn sie nicht gehorchen. Das schafft natuerlich viel Ungerechtigkeit, da sie manchmal uebereilig und folglich unrechtens geschlagen werden. Eigentlich ist das per Gesetz schon verboten, aber durch fehlende Fortbildungen der LehrerInnen noch nicht wirklich abgeschafft.
Auf der anderen Seite bekommen die LeherInnen auf der Harris-Schule, die eine Privatschule ist, nicht einmal den Mindestlohn bezahlt, obwohl auch das gesetzlich verpflichtend ist. Trotzdem sind sie, meiner Meinung nach, sehr nette und engagierte LehrerInnen, die mit ihren SchuelerInnen zum groessten Teil verantwortungsbewusst umgehen. Ich bewundere ihr Engagement jeden Tag aufs Neue. Insbesondere, weil auch ich ja nun einige Male unterrichtet habe und gemerkt habe, wie unglaublich schwierig und anspruchsvoll der Lehrberuf ist.

Bei Klasse 1 und 2 versage ich jedoch voellig. Die 25 Goeren pro Klasse hoeren einfach nur auf ihre_n KlassenlehrerIn. Respekt allen GrundschullehrerInnen, die ihre Klasse im Griff behalten!
Ihr werdet Neues von mir in einem Monat hoeren. Falls ihr ein sehr gutes Buch einer ghanaischen Autorin, Amma Darko, ueber Ghana lesen wollt, empfehle ich „Die Gesichtslosen“, „Das verirrte Herz“ und „Der verkaufte Traum“.
Fuer mehr Fragen, stehe ich euch gerne zur Verfuegung.

Eure Tonia
Abiturientin HCO 2009
tonia_druba@web.de
Zur Rechtschreibung: Die Umlaute ä, ö und ü sowie das köstliche Esszet (ß) sind Eigenheiten der deutschen Sprache und deshalb auch nur auf deutschen PC-Tastaturen sichtbar vorhanden. (Bei nicht-deutschen Tastaturen kann man über Tastenkombinationen diese Zeichen erreichen.)
Des Lokalkolorits wegen wurde die Originalschreibung von Tonias Ghana-Report beibehalten.
Heun

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