Briefe aus Ghana
Mit der
Brieffreundschaft Harris-Hans-Carossa


haben wir im November 2009 angefangen. Bei den Kindern der 7., 8. und 9. Klasse (Junior Highschool 1, 2 and 3) ist sie ein durchschlagender Erfolg. In jeder Klasse haben mehr als zwei Drittel teilgenommen. Es ist ja auch eine einmalige Gelegenheit mit einem Menschen aus einer ganz anderen Kultur Kontakt aufzunehmen. Leider sind die SchuelerInnen hier jedoch nicht sehr geuebt darin, Briefe zu schreiben. Sie verbringen ihre freie Zeit mit Kochen, Helfen im Haushalt, Putzen, Waesche Waschen (hier gibt es keine Waschmaschinen!), auf kleine Geschwister Aufpassen, Fussball- oder Ampe-Spielen (eine Huepfespiel).
Internet steht den meisten nur im Internetcafe zur Verfuegung. Sie sind sehr interessiert an unserer Kultur, wissen aber nicht so Recht, was sie fragen sollen. Es geht einigen von euch, die eine Brieffreundschaft aufgenommen haben, sicherlich aehnlich. Was soll man dazu sagen, wenn dein_e BrieffreundIn schreibt, ihr Lieblingsessen ist „cooked Yam with Vegetablestew“ und ihr Lieblingsspiel ist „Ampe“. Darunter verstehen wir ja nichts. Genauso geht es ihnen, wenn wir ihnen von den Sehenswuerdigkeiten in unserer geliebten Stadt Berlin berichten. Sowas wie Sehenswuerdigkeiten gibt es hier wiederum so gut wie gar nicht und eure BrieffreundInnen sehen sich in den Worten verloren.
Was ich aber so mitbekommen habe, ist sehr erfreulich. Fotos und Familiengeschichten austauschen ist doch eine super Grundlage fuer eine gute Freundschaft. Ausserdem sind auch kleine Dinge, zumindest erscheinen sie uns als unerheblich, sehr interessant fuer diese andere Welt. Dabei denke ich jetzt an Winter, Kaelte und Schnee oder alltaegliche Aktivitaeten, wie Hausaufgaben, Essen und Fernsehen. Fast jede Familie hat einen Fernseher - jedoch laufen hier natuerlich andere Sendungen als bei uns, und statt ARD, ZDF oder RTL heissen sie hier Africa TV, TV 3 oder Coastal TV (ein stolzer, lokaler Sender in Cape Coast). Alle Probleme, die ihr mit euren Briefen habt, haben die GhanerInnen genauso, wenn sie eure lesen, weil es einfach Themen gibt, die der jeweils anderen Kultur voellig unbekannt sind!
Nun, ich moechte euch zum Schluss meine Bewunderung aussprechen, dass ihr so grosses Interesse an einer anderen Kultur aufweist. Und das sage ich nicht nur so. Schliesslich braucht es einen sehr offenen und intelligenten Kopf, wenn man sich einer ganz anderen Welt oeffnet. Besonders grosse Bewunderung geht an Lucie, die sich stetig um das Einsammeln und Ausgeben der Briefe kuemmert. Greift ihr bitte mal ein bisschen unter die Arme, schliesslich ist unsere Schule keinesfalls ein einstoeckiges Familienhaus, sondern ein Riesenbau, in dem man Wochen damit zubringt, Briefe von jeglichen SchuelerInnen einzusammeln! Hier an der Harris School gibt es von jeder Klassenstufe nur eine, dadurch ist das Einsammeln erheblich erleichtert.
Noch eins, die JHS 3 beendet Ende April ihren Abschluss der „Mittleren Reife“ und die SchulerInnen kommen nicht mehr zur Schule. Ich koennte Ihnen jedoch anbieten, dass sie ihre Briefe von der Schule abholen bzw. abgeben koennen. Einige werden jedoch ausserhalb Cape Coasts arbeiten oder wohnen. Dafuer habe ich noch keine Loesung gefunden. Wenn ich dann wieder in Deutschland bin, in 6 Monaten, werde ich die Brieffreundschaftsaufgabe entweder an die neue Freiwillige, eine_n SchuelerIn oder einen ghanaische_n FreundIn abgeben.
Ich hoffe ihr gebt nicht auf, die Briefe zu entschluesseln! Ihr werdet Neues von mir in einem Monat hoeren. Falls ihr ein sehr gutes Buch einer ghanaischen Autorin, Amma Darko, ueber Ghana lesen wollt, empfehle ich „Die Gesichtslosen“, „Das verirrte Herz“ und „Der verkaufte Traum“.
Fuer mehr Fragen, stehe ich euch gerne zur Verfuegung.
Eure Tonia
Abiturientin HCO 2009
tonia_druba@web.de
Zur Rechtschreibung: Die Umlaute ä, ö und ü sowie das köstliche Esszet (ß) sind Eigenheiten der deutschen Sprache und deshalb auch nur auf deutschen PC-Tastaturen sichtbar vorhanden. (Bei nicht-deutschen Tastaturen kann man über Tastenkombinationen diese Zeichen erreichen.)
Des Lokalkolorits wegen wurde die Originalschreibung von Tonias Ghana-Report beibehalten.
Heun

