Rußland
in Russland, Sibirien. Hier ein Ausschnitt aus Ihrem auf der früheren Homepage veröffentlichten Bericht.
…
Als ich dann meiner Gastfamilie das erste Mal begegnet bin, wusste ich sofort, dass ich auf unheimlich nette Menschen getroffen war, und noch heute bin ich der Meinung, dass ich in keine bessere Familie hätte kommen können.
Die ersten 2 Monate waren sehr hart für mich. Das lag erstens daran, dass ich trotz meiner Grundkenntnisse (Maike hatte Russisch in der Schule gewählt) kein einziges Wort verstanden habe und nichts davon anwenden konnte, was ich gelernt hatte, und dass ich mich wohl zunächst an diese komplett andere Welt gewöhnen musste.
Fremd und allein fühlte ich mich zunächst in dieser anderen Kultur.
Ich konnte nicht, wie ich es von zu Hause gewöhnt bin, jeden Tag unter die Dusche gehen, denn Waschtag ist hier immer Samstags und Mittwochs. Dann wird die Banja (russische Sauna) angeheizt, in der man sich waschen kann und durch die Hitze ist man danach so sauber, wie nicht einmal annähernd nach einer Dusche!
Mein Heim in Sibirien war eine gemütliche, kleine Doppelhaushälfte mit Küche, Bad, Wohnzimmer und zwei Schlafzimmern. Für sibirische Verhältnisse ist das schon sehr groß und vor allem, dass es ein Klo im Haus gibt, ist der reinste Luxus.Wir haben hier sogar eine Waschmaschine! Das ist alles andere als selbstverständlich.
Ab jetzt hieß es auch, das Geschirr mit der Hand abzuwaschen und immer darauf zu achten, ob der Eimer unter der Spüle schon voll ist, denn einen Abfluss gibt es in der Küche nicht. Ich war sozusagen gezwungen, auf Dinge zu verzichten, die ich in Deutschland für vollkommen normal hielt. Aber wenigstens gibt es in diesem Haus den Luxus eines richtigen Klos, was in Sibirien nicht selbstverständlich ist!
Gleich zu Anfang meiner Zeit hier, lernte ich auch Kartoffeln ernten, denn dazu gab es sogar extra Schulfrei. Auch die Kuh Marta zu melken, wurde mir beigebracht.
In der Schule war nichts so, wie ich es kenne. Das Lernen und die Unterrichtsmethoden sind komplett anders. Der/Die Lehrer/in steht vorne und diktiert, während die Schüler schön brav mitschreiben müssen. Und so geht das fast die ganze Zeit. Das alles dann auch noch auf Russisch hat meinen Kopf beinahe zum Platzen gebracht.
Die Menschen sind natürlich auch ganz anders. Ich habe das Gefühl, dass sie viel netter und gastfreundlicher sind als die vom Stress geprägten Berliner. Hier spielt Zeit keine große Rolle.
Maike mit ihren russischen Freundinnen
Außerdem ist mir hier erst wirklich aufgefallen, dass an dem deutschen Perfektionismus tatsächlich etwas dran ist. Die Menschen haben irgendwie eine andere Art zu leben und auch ein anderes Tempe-rament. Wenn beispielsweise die Gardinen mit Büroklammern aufge-hangen werden, stört das keine Menschenseele. Und das ist nur eine Kleinigkeit.
Es gibt noch viele weiter Beispiele, doch an all das habe ich mich irgendwann gewöhnt und mittlerweile fühle ich mich so wohl hier, dass mir die Zeit fast zu schnell vorbeigeht.
Der sibirische Winter war nicht so schlimm, wie immer alle denken. -20 Grad fühlen sind gar nicht mal so heftig an und einmal, im Januar, bin ich sogar nachts in ein in das Eis gesägtes Loch in einen Fluss gesprungen, wegen eines Feiertags, an dem das manche so machen. Das war ein aufregendes Erlebnis und ich werde es niemals vergessen.
Einmal sind bei uns sämtliche Wasser- und Abflussleitungen für ein paar Tage zugefroren, sodass mir doch nichts anderes übrig blieb, als draußen "aufs Klo zu gehen".
…
