9.2.2012

Rom spricht (auch) evangelisch

Vom 25. Juni bis zum 3. Juli 2010 findet die traditionelle Rom-Studienfahrt der HCO statt. Auf dieser Seite gibt es Informationen über den jeweiligen Stand der Dinge. Es sind auch wieder Berichte direkt aus der Heiligen Stadt schon während der laufenden Fahrt geplant.

Rom 2010 wird etwas anders sein als die Jahre zuvor. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl werden wir in Rom in drei Gruppen unterwegs sein:

Rom 1 von 3: 12 SchülerInnen mit Herrn Stachetzki und Herrn von Fransecky

Rom 2 von 3: 23 SchülerInnen mit Herrn Kurzer und Frau Sackmann

Rom 3 von 3: 16 SchülerInnen mit Herrn Biemer und Herrn Metz-Rudolph.

Auf dieser Seite wird es vornehmlich Berichte über die Aktivitäten von Rom 1 von 3 zu lesen geben.

 

Norbert von Fransecky

 

19.6., Berlin

Der Countdown läuft. Keine Woche mehr bis zum Abflug.

Langsam ordnen sich die Dinge. Am Freitag morgen geht es ab Tegel los. Wir werden, wenn's technisch klappt, bereits aus Rom von der Studienreise berichten. 

 

 

Rom, 25. Juni, 22.30 Uhr

Wir sind da!

Bis Roma Termini, dem Hauptbahnhof, lief alles generalstabsmäßig.Dann kam das Wort, das wir schon von der letzten Reise im Jahr 2008 kennen: „Streik“. Dieses Mal zum Glück nur die Schalterbeamten. So konnten wir die atac, das römische gegenstück zur BVG, zwar benutzen. Das Abholen der kostenlosen atac-Tickets für Berliner WartenJahreskartenbesitzer fiel aber erst einmal aus. Morgen ist auch noch ein Tag.

Dass es dann doch noch zu längeren Wartereien kam, lag allerdings nicht am Streik, sondern an den Rekonstruktionsarbeiten an einer der zwei(!) römischen U-Bahn-Linien.

 

Irgendwann gegen 14 Uhr ging es dann weiter – erst U-Bahn, dann Bus – natürlich nicht alle auf einmal. 56 Berliner passten dann doch nicht in einen bereits halb gefüllten Linienbus. Die erste Madonna

Hälfte wurde bald mit offenen Armen in unserem Domizil auf Zeit empfangen. Ein herzlicher Dank geht an Herrn Kurzer, der das “Il Romitello“ gefnuden hat – ein qualitativer Quantensprung gegenüber alem, was wir in den letzten zehn Jahren Rom erlebet heben – soweit man das nach wenigen Stunden beurteilen kann.

 

Bis alle Teilnehmer da waren und die Zimmer verteilt waren, verging Il Romitello

noch mal etwas Zeit, da sich die zweite Gruppe erst einmal verfahren hatte, was sie erst an der Endstation bemerkte. Na gut, wir haben halt die Pleiten, Pech und Pannen auf den ersten Tag verlegt.

Danach waren alle erst einmal reif für die Insel und haben in kleinen Gruppen die Umgebung des Hotels erkundet.


Rom, 26. Juni, 23.30 Uhr

Warten2Und noch einmal hieß es warten. Fast zwei Stunden brauchten die römischen Verkehrsbetriebe, um aus unseren BVG-Karten atac-Wochenkarten zu machen. Die Zeit wurde genutzt, um die Gegend um den Hauptbahnhof zu erkunden, einen Supermarkt oder die Kirche aufzusuchen, unter der sich die Reste des Haus befinden, in dem angeblich Petrus gewohnt haben soll.


maggioreDann gab es die erste Trennung der Rom-Gruppen. Rom 2, die anders als geplant von Herrn Kurzer und Frau Sackmann geleitet wird, da Frau Lüdicke erkrankt ist, und Rom 3 begeben sich ins antike Rom, währen Rom 1 sich der Kirche Santa Maria Maggiore nähert, der größten und ältesten Marienkirche Roms. Es soll die einzige Kirche Roms sein, in der seit dem 5. Jahrhundert jeden Tag die Messe gelesen worden ist.
Und bereits hier sieht man etwas Ungewöhnliches, das dem Tag ein ungepalntes Ende setzen wird: Wolken am Himmel der Ewigen Stadt.

AReferatb er so weit ist es noch lange nicht. Erst einmal macht sich die erste Referentin der Fahrt für ihren Vortrag bereit, während eine Hochzeitsgesellschaft die Kirche verlässt. Wir hören von der Gründungslegende, die besagt, dass die Kirche an einem Ort gebaut wurde, an dem im August(!) des Jahres 352 Schnee gefallen ist, und der vergoldeten Kirchendecke, für die das erste Gold benutzt wurde, dass aus Südamerika nach Europa gebracht wurde. Später gibt es in der Kirche noch einen Vortrag über die Orgel.

In eine römische Kirche hineinzugelagen ist gar nicht so einfach. Immer wieder

Keine Beine

hören wir die Worte „We have a dressing code“. Insbesondere weibliche Schultern und Beine sollen hier nicht gezeigt werden – egal wie hübsch sie sind.
Aber mit Kreativität und Humor wird das Problem gelöst, sich von sommerlich luftiger Kleidung in ein kirchen-kompatibles Outfit zu werfen. Und dann kan man, bzw. frau, nicht nur die Referate und die prachtvolle Ausstattung des Gotteshauses, sondern auch die Ruhe und die Kühle des Haueses geniessen.

Nach Santa Maria Maggiore steht der Tag im Zeichen der Biene. Sie ist in dreifacher Gestalt das Wappentier der Familie Baberini, der Papst Urban VIII entsprang. Sein römischer Palazzo, heute eine Gemäldegalerie, war unser nächstes Ziel, um u.a. etwas über den Maler Caravaggio zu erfahren

Bienen

(Leider: Keine Fotos im Palazzo). Die Bienen sind hier allgegenwärtig. An der Fassade, an den Decken, an Brunnen, selbst auf den Krawatten der Mitarbeiter. Nach dem Palazzo Barberini, kam die Piazza Barberini mit ihrem (natürlich) Bienen-Brunnen an dem Ende des Platzes, an dem der Bruder des Papstes, Kardinal Antonio Barberini 1626 die Kirche Santa Maria della Concezione hatte bauen lassen – berühmt für eine markabere Kuriosität. In fünf unterirdischen Kapellen liegen und hängen Skelette, Schädel und Knochen von etwa 4000 ehemaligen Kapuzinermönchen und armen Menschen, die zu Mosaiken und Szenarien geordnet sind – als Symbol dafür, dass das eine Leben vergangen ist und das neue begonnen hat (auch hier: keine Fotos; Respekt vor der Totenruhe).

Beim Ausgang aus der Gruft begrüßte uns ein drohen verdunkelter Himmel. Daher liessen wir den Altstadtbesuch eben nicht ins Wasser fallen, sondern bemühten uns vor dem Fall des Wassers das Hotel zu erreichen, was weitgehend gelang.

Kartenspiel

Dort mischten sich die Gruppen dann wieder und beschlossen zum Teil beim Kartenspiel den Tag. Morgen geht es früh los. Rom 1 will um 10 Uhr im Gottesdienst der evangelisch lutherischen Gemeinde Roms sein; ein Tel der anderen Schüler möglichst bereits um 8 Uhr vor den Vatikanischen Museen, die am letzten Sonntag des Monats (Eintritt frei) mit massivem Ansturm rechnen müssen. Da wird wieder mal Warten angesagt sein.

 

Rom, 28. Juni, 0.40 Uhr

Heute war unser "deutscher Tag" in Rom - am Vormittag der vorwiegend deutschsprachige Gottesdienst in der evangelisch-lutherischen Christuskirche; am Nachmittag das Spiel Deutschland gegen England in, bzw, vor einem englischen(!) Pub.


Der Gottesdienst war gut gefüllt – weniger mit Gemeindegliedern, die das heiße Rom (das in diesem Jahr gar nicht so heiß ist) im Sommer meiden, als mit zwei Gastgruppen: unsern Schülern und einer Studiengruppe des der Gemeinde angeschlossenen Melanchthon-Instituts. Nach dem Gottesdienst führte und Pfarrer Kruse in die Geschichte der Gemeinde ein, die aus der preussischen Gesandschafts-Gemeinde hervorgegangen ist. 1817 durfte der evangelische Gottesdienst im Kirchenstaat nur auf dem exterritorialen Grund der Gesandschaft stattfinden. mosaikAber „The Times are a-changing“, wie schon der große Philosoph Bob Dylan sprach. 1922 konnte die Christuskriche geweiht werden, erbaut von Hans Schwechten, dem Lieblings-Architekten von Wilhelm II, der auch die alte Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche entworfen hatte. 2010 kann Pfarrer Kruse stolz den neusten Ausstattungsgegenstand seiner Kirche zeigen – ein Mosaik, das Papst Benedikt XVI der Gemeinde geschenkt hat, als er 2008 als zweiter Papst seit der Reformation in der ev-luth. Gemeinde gepredigt hat.

Nach dem Gottesdienst machte „Rom 1“, in nicht 100%ig originaler Besetzung, einen ersten Abstecher in die Altstadt. Marc Aurel-Säule, die berühmte Eisdiele Silvano Giolattti und die Spanische GruppeTreppe wurden in Augenschein genommen; die Eisdiele natürlich nicht nur mit den Augen getestet. Nach einem Erinnerungsfoto an der Fontana di Trevi, dem Trevibrunnen, lösste sich die Gruppe auf. Die einen stürmten die Spanische Treppe bergauf; andere „bewunderten“ die Preise in der Luxus-Shopping Strasse Via Condotti.

Zwischen 15 und 16 Uhr versammelten sich alle drei Rom-Gruppen im Druids Pub nahe Santa Maria Maggiore. Schwarz-Rot-Gold auf den Wangen, als Perücke oder Fahne bestimmte das Bild. Dennoch hielten es auch einige Engländer, unter anderem zwei betagte Ladies, im Publikum aus.
jubelDie Führung zur Halbzeit hatte bekanntlich einen faden Beigeschmack, da den Briten ein eindeutiges Tor nicht zuerkannt wurde. Umso größer der Jubel, als in der zweiten Halbzeit ein absolut eindeutiger Sieg herausgespielt wurde.
Nach dem Jubel waren die ersten müde. Eine Dreiteilung quer durch die Gruppen wurde notwendig. Gruppe A zog den Rücksturz ins Hotel vor; Gruppe B wartete auf das zweite Spiel des Tages im Pub; die unternehmungslustige Gruppe C trotzte selbst Bus-Umleitungen und beschloß den Tag im malerischen Stadtteil Trastevere.

 

Rom, 28. Juni, 23.30 Uhr

Der Montag begann für Rom 1 von 3 mit dem Klassiker: Das antike Rom - Kolosseum und Forum Romanum.

Vortrag

Die anderen beiden Gruppen hatten das schon an unserem „deutschen“ Tag erledigt. Spannend für die Lehrer war es zu beobachten, wie die Referenten, die uns durch die Gesteinstrümmer führten immer stärker in ihre Aufgabe hinein wuchsen und mit zunehmender Sicherheit das vortrugen, was sie in Reiseführern, im Interent, oder anderen Quellen über ihr Objekt  herausgefunden hatten. Da war die Rede von Bestien, die im Kolosseum plötzlich aus dem Boden emporstiegen – mit Hilfe einer perfekten Bühnentechnik, die in der begleitenden Ausstelung am Modell zu beobachten war; aber auch von echten Seeschlachten in der gefluteten Arena.

Für die Lehrer war es „spannend“ über das Gelände zu führen. Während man zwei Jahre zuvor noch einfach die Via sacra, den Heiligen Weg von einem zum anderen Ende beschreiten konnte, war plötzlich alles anders, da das Forum zwei Jahre schattennach der letzten Studienreise plötzlich ganz andere Ein- und Ausgänge bekommen hatten. Den SchülerInnen war das egal. Sie waren froh über einen Platz im Schatten, obwohl uns Rom in diesem Jahr mit angenehm niedrigen Temperaturen unterhalb der 30 Grad Marke schonte.

Nach der Mittagspause ging es dann auf den Capitol, einen der sieben Hügel, auf denen Rom ebaut wurde. Das interessierte uns in diesem Fall aber nur am Rande. Wir bewegen uns ja schwerpunktmäßig auf den Spuren des evangelischen Roms. Und das hat hier eine tiefe Wurzel. gesandschaftIm Palazzo Caffarelli hatte im 19. Jahrhundert die preussische Gesandschaft ihren exterritorialen Sitz. Daher konnte man hier einen im katholischen Kirchenstaat verbotenen evangelischen Gottesdienst abhalten. Erst nach 1871, der Kirchenstaat wurde auf den heutigen Vatikan verkleinert, gab es die Möglichkeit die evangelische Kirche zu bauen, die wir am Sonntag besucht hatten.

Auch das unterhalb des Kapitols gelegene Marcellus-Theater hat seine Bedeutung für das evangelische Rom. Hier wohnte der preussische Gesandte und in seiner Wohnung fanden die evangelischen Andachten statt, bevor in der preussichen Gesandschaft eine eigene Kapelle gebaut wurde. freskenNeben dem Theater steht die neue Synagoge, denn hier war früher das jüdische Ghetto. Das liessen wir links liegen, um uns in Trastervere etwas über die ökumenische Gemeinschaft St. Egidio erzählen zu lassen und die älteste Kirche Roms, die bereits als christliche Kirche gebaut worden ist zu besuchen und ihr aus dem 12. Jahrhundert stammendes Apsis-Mosaik zu bewundern.

Danach verteilten sich die Schüler in kleinen Gruppen in alle Himmelsrichtungen, warfen Briefe in die schnelle Post des Vatikans, kauften Pizzas bei „Jimmy“ oder entspannten schlicht, während die Fahrtleitung nach vorne blickte und in der lokal„Taverna de' Mercanti“ 56(!) Plätze für den Abschlussabend reservierte – ein komplizierter Vorgang, da der Wirt bei der Zahl 56 erst einmal an ein Verständigungsproblem dachte. Erst als er die Uhrzeit 19 Uhr hörte, klärte sich seine Miene auf. Seine Gäste kommen in der Regel deutlich später. Aber wir müssen dann schon an den Flieger nach Berlin am kommenden Morgen denken. Schade eigentlich!

 

Rom, 30.6, 0.30 Uhr

Krankenhausbesuche und/oder Aufenthalte bei der Polizei gehören leider fast regelmäßig zu den Rom-Studienreisen dazu. Das Krankenhaus ist uns – Gott sei Dank – bislang erspart geblieben. Und die Schüler polizeisind erfreulicherweise auch in der anderen Hinsicht verschont geblieben, da sich die römischen Taschendiebe entschieden haben in Lehrertaschen zu greifen. Ein Handy und einen Reiseführer haben wir kommentarlos geschluckt. Aber das Verschwinden eines kompletten Portemonaies mit den entsprechenden Papieren verbannte mich am Vormittag zur Touristenpolizei (siehe Bild), während die Gruppe meine römsiche Lieblingskirche, Sao Paolo furi le Muro, besichtigte.

 

Die Kirche liegt auf dem Wege nach Ostia antica, der ehemaligen Hafenstadt Roms. Dort habe ich die Gruppe wieder eingeholt und mir etwas über latrineTempel und Thermen erzählen lassen. Zum Abschluß besuchten wir in der zum Teil erstaunlich gut erhaltenen Stadt einen antiken Schnellimbiss und eine öffentliche Latrine, auf der man nicht nur sein Geschäft, sondern oft auch Geschäfte machte, was übrigens der Ursprung der Redewendung „sein Geschäft machen“ ist.

 

Danach haben wir es am mittleren Tag der Fahrt etwas langsamer angehen lassen und sind am Nachmittag an den Strand gefahren. Dort haben sich dann alle drei Gruppen getroffen. Der Bericht dazu braucht nicht viel Worte. Daher endet deser Tagebericht mit drei unkommentierten Fotos.

 

im wasser

 

wassermänner

 Sonnenbad


Rom, 30. Juni, 23.30 Uhr

Einmal geht es bei den Studienreisen nach Rom unter die Erde. Unter der italienischen Hauptstadt erstrecken sich über Hunderte von Kilometern die 2000 Jahre alten Katakomben, in denen in der Antike die Toten beigesetzt wurden. Längst nicht alle davon sind zugänglich. KatakombeWir hatten uns für die St. Agnes Katakomben nordöstlich des antiken Zentrums Roms entschieden, benannt nach der Heiligen Agnes, die ursprünglich in diesen Katakomben beigesetzt wurde; über 100 Jahre später aber von einem Borghese Papst in eine Krypta unter der St. Agnes Basilika verlegt wurde, die bereits im 4. Jahrhundert von Constanza, der Tochter von Kaiser Konstantin, erbaut worden lassen ist. Ihr Mausoleum, das sie sich und ihrer Schwester Helena direkt neben der Basilika erbauen lies, konnten wir leider nicht mehr besuchen. Schuld daran war u.a. Kardinal von Galen.

Der hatte und nämlich länger als erwartet in den Diokletians-Thermen festgehalten. Aber der Reihe nach. Über den Charakter der römischen Thermen hatten wir schon einiges u.a. in Ostia antica gehört. Die (Reste der) Diokletians-Thermen direkt neben dem römischen Hauptbahnhof boten eine gute Gelegenheit, die gigantischen Ausmaße dieser Anlagen zu begreifen. ThermenTrutzige Steinformationen am Platz Repubblica weisen sofort auf antike Stätten hin. Tritt man durch die Tür der Kirche Santa Maria degli Angeli, die in die Ruinen hineingebaut wurde, verschlägt der riesige, prachtvolle Raum sofort den atmen. Ja, das ist wieder einmal römische Gigantomanie. Aber die Thermen waren viel größer. Dies hier war nur das Frigidarium, das Kaltwasser-Becken. Wieder aus der Kirche hianus blickt man auf einen großen, stark befahren Kreisverkehr, an dessen gegenüberliegenden Ende sich halbkreisförmige Hotelbauten befinden. Diese Architektur ist bewußt gewählt. Bis hierin erstreckten sich die Thermen – und das wiederum ist nur eine Richtung. Nach rechts gewandt mussten wir ein Planetarium, zwei Straßen und ein großes Luxus-Hotel passieren bis wir am ehemaligen Ende der Thermen, dier sich in die Gegenrichtung noch enimal genaus weit ausgedehnt hatten. An besagtem Ende befindet sich in einem Rundbau in einer Ecke der Therme heute die Kirche San Bernardo alle Terme

Sie ist dem Kardinal von Galen zugeteilt worden, der sich im Dritten Reich als Bischof von Münster massiv gegen die Euthanasie-Programme der Nationalsozialisten eingesetzt hatte. GalenEin Bild von ihm, das vor zwei Jahren noch nicht dort hing, führte zu Erklärungen und einem längeren Gespräch über das Verhältnis von evangelischer und katholischer Kirche zu den Nationalsozialisten und der Politik des Dritten Reichs. So hatten wir uns an Ende wesentlich länger in den Thermen aufgehalten, als geplant und erreichten die Katakomben dann nur noch gerade so eben vor der Mittagspause um eine sehr gute, englischsprachige Führung zu bekommen – die einzige professionelle Führung dieser Fahrt, denn in die Katakomben kommt man ohne Führung nicht hinein.

Im völlig überfüllten Linienbus ging es dann durch das Universitätsviertel hindurch zum Lateran, dem Sitz des Bischofs von Rom, der in Personalunion auch Papst ist, als solcher seinen Sitz aber seit dem 16. Jahrhundert im Vatikan hat. LateranZwei Referenten weihten uns in seine Gehemnisse ein. Das sehr schön aufgebaute Grundreferat lieferte Grundsätzliches außen vor der Fassade und Details jeweils passend am richtigen Ort in und um die Bassilika herum (z.B. am Baptisterium und am Obelisken, den Konstantin II, der Bruder von Constantina, deren Mausoleum wir am Mittag verpasst hatten, im Jahre 357 n. Chr. nach Rom gebracht hatte.). Dazu kam nach Santa Maria Maggiore das zweite Teil über Orgel in Rom, das sich hier gleich mit drei Orgeln in einer Kirche austoben konnte.
Mittlerweile war es früher Nachmittag und wir fühlten uns am bisher wärmsten Tag unserer Studienfahrt in der gefühlten 12. Unterrichtsstunde. Nun ging es auf getrennten Wegen weiter – u.a. zum Essen auf den Kaptiolshügel und zum Entspannen in die Villa Borghese.
Und schon ist unsere Rest-Zeit auf zwei Tage geschrumpft. Denn am Samstag steht bereits um 7 Uhr der Bus vorm Hotel.

 

Rom, 1. Juli 2010, 21. 50 Uhr

Die beiden letzten Tage werden noch einmal richtige Antipoden. Heute stießen wir ins Herz des Katholizismus, in den Vatikan, vor. Morgen steht zu Beginn endlich(!) Luthers's Rom-Reise im Jahr 1510/11 im Mittelpunkt. Am Abend wird es ein feierliches Essen geben.
Rein völkerrechtlich waren wir während der vergangenen Tage immer wieder schon einmal auf vatikanischem Boden. Denn u.a. die großen Patriachalbasiliken gelten als vatikanischer Besitz. grenzeAls deutsche Staatsbürger hatten wir heute aber die reale Möglichkeit auf die Schweizer Garde zuzugehen und die Grenze zwischen Italien und dem Vatikanstaat zu überschreiten. Links neben den Petersdom liegt der Campo sancto teutonico. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts im Besitz einer Erzbruderschaft, deren Mitglieder aus dem deutschsprachigen und niederländisch-flämischen Kulturkreis stammen, werden hier Deutsche beerdigt und daher haben deutsche Gäste die Möglichkeit jeden Tag bis 12 Uhr diesen Friedhof zu besuchen.

Auch der Petersdom liegt natürlich auf dem Grund und Boden des Vatikan. Aber hier kann jeder Landsmann und jede Landsfrau hinein – vorausgesetzt er und sie verhüllt züchtig Schultern und Beine. Nach Kontrollen wie auf dem Flughafen betraten wir den halbdunklen Raum, der nach übereinstimmender Meinung gar n icht so groß wirkte, wie er ist, obwohl sowohl der Kölner Dom, wie der Berliner Funkturm in ihm Platz hätten. kuppelDass die auch von unten gut lesbaren Buchstaben an der Kuppelbasis über zwei Meter groß sind war kaum zu erkennen. Spannend für die evangelisch-katholisch geleitete Gruppe war, dass exakt hier enier der wichtigen Trennungslinien zwischen den beiden Kirchen erkennbar wurde.
„Du bist Petrus, auf dich habe ich meine Kirche gebaut,“ ist dort in Latein zu lesen. Nach katholischer Lesart ein klarer Fall: Nur die Kirche in der Nachfolge Petri ist die wahre Kirche. Das sehen Protestanten ganz anders. Denn Jesus sprach diesen Satz direkt nachdem Petrus das Bekenntins „Du bist der Christus, der Sohn Gottes“ ausgesprochen hat. Daher, so die evangelische Sicht, entsteht die Kirche überall dort, wo Menschen sich zu Christus bekennen

Nachdem wir so theologisiert, die Kirche besichtigt, den Referaten zum Dom und – ein letztes Mal – zur Orgel gelauscht, sowie einige Hundert Stufen hinter uns gebracht hatten, standen wir an der Basis der Kuppel standen konnten in die Kirche hinablicken. Die Touristen, die weit unter uns ameisengleich wimmelten, machten die Größe des größten Gotteshauses der Welt endlich begreifbar.
Mittlerweile war die Gruppe Rom 1 von 3 durch Mitglieder der anderen Gruppe auf Schülerseite übrigens auf das Doppelte angeschwollen, während der Lehrerbestand auf 50 Prozent geschrumpft war. Die wussten halt, was auf sie zukommt. Gärten„Diese Kuppel ist nicht für mich gebaut,“ grummelte ein Schüler, als er sich über enge, halb schräge Gänge nach oben jund später wieder nach unten qüalen musste. Der Blick über die Heilige Stadt und in die nicht zugänglichen Gärten des Vatikan entschädigte aber für vieles. „Mein Gejammer war größer als der Anlaß,“ kommentierte eine Schülerin, als sie wieder halb unten war.

Der Vatikan ist prachtvoll, aber aus Sicht der Päpste offenbar nicht vollständig sicher. Daher wurde ein Gang von ihm zum Mausoleum des Hadrian gebaut, in den sich die Päpste bei Gelgenheit flüchteten. EngelsburgHeute ist das von aussen etwas schroffe, innen aber teilweise prächtig ausgeschmückte (Fotografieren verboten!) als Engelsburg bekannt. Eines der besten Referate der Fahrt (Lob muss sein!) führte uns in die Geschichte des Gebäudes und der davor liegenden Engelsbrücke ein. Nicht alle Teilnehmer hatten nach dem doppelten Aufstieg, Dom und Burg, noch die Kraft zur privaten Recherche. Und so lagerte sich ein Teil der Schüler (und Lehrer) in einem schattigen Laubengang, während die größere Hälfte (Mathelehrer können das natürlich nicht hören) durch die üpppig ausgeschmückten  Räume der vierten und fünften Etage wanderte.

 

Rom, 2. Juli, 15 Uhr

Das eigentliche Programm liegt hinter uns. Eine frühe Mittagspause ermöglicht die Rückkehr ins  Quartier, um vor dem Abendprogramm die morgige Abreise vorzubereiten. Denn der Bus wird ab 6.30 vor dem Hotel stehen. Da bleibt wenig Zeit zum Packen.
Bei jeder Romreise fallen Dinge unter den Tisch, die man gerne auch noch gemacht hätte. Dieses Jahr waren wir sehr selten in der Altstadt. Aber der Weg auf den Spuren Luther führte uns nun doch noch am Pantheon vorbei und auf die Piazza Navona. Gestartet sind wir an der Piazza del Popolo. Vor der Zeit von Bahn und Flugzeug hat fast jeder Rombesucher die Stadt an dieser Stelle betreten – popoloseit Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Blick auf den großen Obelisken, der vorher im Circus maximus stand. Luther kannte ihn noch nicht. Er war ca. 40 Jahre früher da. Die Stadtgrenze hat er wohl Anfang Januar 1511 überschritten. Wir standen also nur ein halbes Jahr vor dem 500. Jubiläum dieses Tages an der selben Stelle wie er.
Luther ist hier möglicherweise länger geblieben, als wir, denn das Kloster Santa Maria del Popolo, das gleich links am Platz liegt, ist einer von zwei möglichen Orten, an denen Luther während seines Rom-Aufenthalts gewohnt haben könnte. Die zum Kloster gehörige Kirche, in der u.a. zwei Caravaggio-Bilder hängen, wurde uns von unserer Luther-Referentin nahe gebracht, die das Qualitätsniveau, des Vortags-Referates in der Engelsburg gut halten konnte.

Nach der Piazza del Popolo ging es an der spansichen Treppe vorbei, in die Via Condotti, die nicht nur als teuerste Einkaufsstrasse Roms gilt, sondern auch den römischen Sitz des Johanniterordens beherbergt. Dort wurden einige Sätze zur Geschichte dieses evangelischen Ritterordens gesagt, der auch heute noch Männer von Stand zu Rittern schlägt, wenn sie für würdig befunden werden und bereit sind sich für die sozialen Anliegen des Ordens zu engagieren.
pantheonViel älter ist das Pantheon, dessen gigantische Kuppel bereits Luther beeindruckte. In den alten römischen Tempel wurden nach 608 angeblich 28 Wagenladungen mit Märtyrerknochen aus den Katakomben ebracht. Aus der Verehrung aller Heiligen, die keine eigene Verehrungsstätte hatten, an diesem Ort entstand das Fest Allerheiligen.

Dann ging es in Richtung Piazza Navona, an deren Peripherie gleich zwei Lutherstätten liegen. Da ist zum einen die Kirche San Agostino, Sitz des Ordensgenerals des Augustinerordens. Zagostinou ihm war Luther mit einem Begleiter geschickt worden, um die Zusammenlegung seiner strengen Ordenskongregation mit einer liberaleren Linie zu verhindern. Daher wird vermutet, dass Luther 1511 auch hier gewohnt haben könnten. Interessanter Weise hängen auch in dieser Kirche Caravaggios. Während über seine Appellation beraten wurde hatte Luther Zeit all das zu tun, was Pilger in Rom für ihr Seelenheil taten. Er hat in dieser Zeit wohl Dinge erlebt, die ihn abstießen und  später rückblickend in seine Kritik an der römsichen Kirche eingebaut wurden. 1511 aber überwog die Begeisterung für Rom, auch wenn sein Anliegen nach vier Wochen abschlägig beschieden wurde und er sich im Februar unverrichteter Dinge auf den Weg zurück nach Deutschland machen musste.

Besonders kritisch reagierte Luther auf die liederlich heruntergebrabbelten Messen, die er in Rom erlebte. Jede Messe brachte Geld. Daher wurden gelegentlich gleich zwei Messen an einem Altar gehalten – in einem Expresszug-Tempo, damit möglichst viele Messen in einer Stunde untergebracht werden konnten. Luther stieß das ab. Die einzige Kirche, die Gnade in seinen Augen fand, war Santa Maria dell' Anima, die deutsche Nationalkirche nur wenige Schritte von San Agostino entfernt. Nur hier habe er in Rom Messen erlebt, die mit Würde zelebriert wurden, urteilte der spätere Reformator.
fioriNach einem schnellen Gang über die Piazza Navona erreichten wir den Campo di Fiori, wo unserer Tour endete. Auf dem ehemaligen Hinrichtungsplatz erinnert heute in Denkmal von Girodano Bruno an (kirchen)kritische Denker und Freigeister.

Rom, 3. Juni, 1 Uhr 30

So, das war's. Der Abschiedsabend liegt hinter uns. Noch fünf Stunden, dann steht der Bus, der uns zum Flughafen bringen wird, vor der Tür.
gruppe
Rom 1 von 3 war nach der Luther-Tour ins Quartier zurückgekehrt; andere waren in den Katakomben oder anderswo und blieben gleich in der Stadt. Aber alle sammelten sich zum Beginn des Abschlußabends vor Santa Maria in Trastevere. Dort boten die Stufen des Brunnens eine perfekte Möglichkeit für ein Gruppenfoto mit der ganzen Rom-Gruppe von 1 bis 3.

Danach ging es in einen etwas versteckten, malerischen Teil des essenpitoresken Stadtteils Trastevere, das alte Händlerviertel. Dort war ein guter Teil der Taverna de' Mercanti für uns reserviert. Langsam verlosch das Tageslicht und die Ölfackeln an der Fassade des alten Gebäudes schufen eine mehr als gemütliche Atmosphäre.
Schade, dass wir so etwas in diesem Jahr kaum erlebt hatten.

nachtDaher brach etwa ein Viertel der Gruppe, bunt durcheinander gemixt aus allen drei Gruppen, nach dem Abschiedsessen noch einmal zu Fuß auf, um die Altstadt im nächtlichen Zauber zu erleben. Über Santa Maria in Trastevere, den Campo de Fiori, die Piazza Navona, das Pantheon und den Trevi-Brunnen ging es bis zur spanischen Treppe. "Toll! Die habe ich ja noch gar nicht gesehen," jubete eine Schülerin (auf dem Foto ganz unten rechts im blauen Kleid zu sehen), als das beliebte Postkartenmotiv plötzlich vor unseren Augen erschien. Wozu letzte Abende nicht alles gut sind!

treppe

Von der Spansichen Treppe brachten uns U-Bahn und Bus zur letzten kurzen Nachtruhe in Rom.


Samstag, 3. Juni, 20 Uhr

Deutschland ist im Halbfinale und die Rom-Reisegruppe wieder in Berlin. Morgens um halb Sieben stand der Bus vor dem Hotel. Eine Stunde früher stand das Frühstück auf dem Tisch. im FliegerDa hatte sich der eine oder andere entschieden, lieber gar nichts ins Bett zu gehen und die Nacht mit einem Kartenspiel zum Tag zu machen.

Von Müdigkeit dennoch keine (na ja, kaum eine) Spur von Müdigkeit. Bis zum Schluss blieben die Schüler animiert und animierbar – während der Flieger darauf wartete seine Parkposition verlassen zu dürfen.

 

Dann ging es pünktlich in die Luft. Bei strahlendem, fast gänzlich Wolken freiem Wetter war der Flug ein Vergnügen: Latium, Norditalien, die Alpen ein Stück Tschechien. Die wechselnden Flurmuster dürften jeden Erdkundelehrer zum Dozieren verlocken haben. Uns blieb dieses Vergnügen erspart. Im Landeanflug von alte hcoWesten her wurde viel Bekanntes entdeckt – Staaken, Steglitz, Falkensee und das Johannesstift. Und dann ganz kurz vor der Landung, das alte Hans-Carossa-Gebäude in Hakenfelde, das den Zweck gewechselt, aber den Namen behalten hat. Als Hans Carossa Quartier beherbergt es heute Supermärkte, eine Bank, ein Apotheke, eine Fitnesscenter und etliches andere,

 

schlussbildGegen halb eins wurden dann die letzten Schritte der Rom-Studienfahrt gemacht – die Treppe aus dem Flugzeug hinab, über das Rollfeld in den Abfertigungsbereich, hinter dem dann schon Freunde, Mütter, Väter, Familie, Frauen warteten, um die müden aber gut gelaunten Krieger und Kriegerinnen in Empfang zu nehmen.

 

Und nun kommt der letzte Punkt dieses Rom-Tagebuchs: .

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