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Berlinale-Plakat

Taxi Teheran im Rahmen der

Und der Goldene Bär ging ... dieses Jahr an den iranischen Film Taxi Teheran des Regisseurs Jafar Panahi.

Wir, die Klasse 10 b, haben am 24. November 2015 im Rahmen des Ethikunterrichts von Frau Hasdorf zusammen mit Herrn Heun eine Exkursion zum CinemaxX-Kino am Potsdamer Platz unternommen. Dort sahen wir Taxi Teheran, den Eröffnungsfilm der Schulkinowochen, um im Anschluss daran mit zwei Hochkarätern darüber zu diskutieren.


DER FILM

Taxi Teheran feierte im Rahmen der 65. Berlinale am 6. Februar 2015 seine Weltpremiere und erhielt als bester Film den Goldenen Bären. Es folgten der FIPRESCI-Preis und zwei „Human Rights Awards“.

Es klingt zunächst kaum nach Kino: Alltagsszenen in Teheran, aufgenommen von fest installierten Kameras in einem Taxi. Am Steuer des Wagens sitzt jedoch der Regisseur selbst, der aufgrund eines 20-jährigen Berufsverbots seit 2010 offiziell keine Filme mehr im Iran drehen darf.

Nun nutzt er sein Taxi als filmisches Experimentier- und Denkvehikel und lässt seine Fahrgäste zu Wort kommen: ein Taschendieb und eine Lehrerin diskutieren über die Todesstrafe, ein schwerverletzter Mann muss nach einem Motorradunfall ins Krankenhaus und spricht stark blutend noch sein Testament für seine Frau in die Handy-Kamera; das Taxi wird zum Umschlagplatz für verbotene amerikanische Filme und hilft zwei abergläubischen Frauen, ihre Goldfische zur Ali-Quelle zu befördern.

Panahi holt seine Nichte von der Schule ab, um mit ihr über ihr schulisches Filmprojekt zu sprechen und unterhält sich mit einer „Blumenfrau“, der Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh, die mit friedlichen Mitteln wie einem Blumenstrauß politische Gefangene besucht und unterstützt.

So trifft er auf unterschiedliche Menschen, deren Geschichten und Situationen. Der Kinozuschauer erlebt im Taxi mitfahrend Alltagsgespräche in einem totalitären Regime, wobei Themen wie die Zensur der Medien und die Beschränkung zugelassener Meinungen, die Todesstrafe, die Situation der Frau und der Menschenrechte zur Sprache kommen. Dabei erfährt der Zuschauer aber auch, wie sich die Menschen kleine Inseln der Freiheit errichten und sich so mit ihrer Situation arrangieren, immer in der Gefahr, dafür verurteilt zu werden.

Das Thema Zensur wird im Film besonders durch das Schulprojekt der Nichte von Jafar Panahi veranschaulicht.
Diese soll einen Kurzfilm drehen, muss dabei allerdings eine Menge Regeln einhalten, damit der Film „vorzeigbar“ wird. So ist zu beachten, dass es keine Berührung zwischen Mann und Frau geben darf, Krawatten nur von bösen Menschen getragen werden und die positiven Filmcharaktere keine persischen Namen tragen dürfen. Seine Nichte Hana fragt sich jedoch, wie sie einen „realistischen“ Film drehen soll, ohne dabei aber negative oder alltägliche Seiten darstellen zu dürfen, woraufhin ihr Onkel Panahi mit einem tiefsinnigen Lächeln antwortet.

Die prekäre rechtliche Situation der Frau im Iran wird durch eine Unfallszene verdeutlicht. In dieser wird ein Mann bei einem Motorradunfall verletzt und der Verletzte und seine Frau flehen Panahi an, sie ins Krankenhaus zu fahren. Während der Fahrt bittet die Frau des Verletzten unter Tränen den taxifahrenden Regisseur, die letzten Worte ihres Mannes mit dem Handy zu filmen, da, wenn es kein Testament gibt, der ganze Besitz des Mannes an dessen männliche Verwandte geht.


IM GESPRÄCH MIT DEM BERLINALE-DIREKTOR KOSSLICK

Im Anschluss an den Film nutzten wir die Gelegenheit, den Film mit Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und Thomas Krüger, dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, zu diskutieren. Sie berichteten auch sehr persönlich von ihren Erfahrungen in Teheran. Herr Kosslick hatte Herrn Panahi dort gerade kurz zuvor getroffen, um ihm die Urkunde für den Goldenen Bären zu überreichen. Dieser hatte keine Ausreisegenehmigung erhalten, um den Goldenen Bären in Berlin in Empfang nehmen zu können, sodass der Preis in Berlin unter Tränen seiner im Film mitwirkenden Nichte übergeben wurde.


Hana, Schauspielerin im Film Taxi Teheran, hier in Berlin

In diesem Gespräch erhielten wir auch Einblick in die Arbeit des Berlinale-Direktors, der zusammen mit seinem Team gerade an der Sichtung der 6500 neu eingereichten Filme fürs Jahr 2016 sitzt und bekamen Anregungen für baldige spannende Neuerscheinungen im Kino.


Berlinale-Chef und Medienprofi Dieter Kosslick liebt die Mikrophone; lachend: Thomas Krüger


UND WIE FINDET DIE 10b DEN FILM?

Die Meinungen gingen weit auseinander. Es ist kein schlichter Unterhaltungsfilm im klassischen Sinne. Eine Kameraführung gibt es fast nicht, da die Kameras fest im Taxi installiert sind und nur ab und zu von Panahi oder einem Fahrgast gedreht werden; ansonsten entsteht der Film durch die Schnitte der Szenen. Das ist ganz sicher gewöhnungsbedürftig.

Andererseits entsteht gerade durch die einfache Technik eine große realistische Nähe zu den alltäglichen Dialogen, die sich in einem Taxi in Teheran abspielen können. So sind wir überwiegend der Meinung, dass es ein sehenswerter Film ist, der Fragen nach Menschenrechten, aber auch nach der Macht moderner Medien aufwirft.


EIN LIEBESBRIEF

In ihrer Begründung würdigte die Internationale Jury der Berlinale 2015 den Film als einen „Liebesbrief an das Kino und sein Publikum“. Und humanistischen Liebesbriefen darf man durchaus Aufmerksamkeit schenken.

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Text: Annika (10b);
ergänzt von Fr. Hasdorf

Fotos: Berlinale, Heun (1)