17.5.2012

Allegorie der Philosophie

Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie, die hier vom italienischen Barock-Maler Giacinto Brandi (1621-1691) als schöne und gereifte Frau dargestellt wird. Ihr mittleres Alter, der harmonische Gesichtsausdruck und die vornehme Kleidung widersprechen dem gängigen Klischee eines vergeistigten, altersweisen Gelehrten. Gestützt auf die Weisheit des Buches richtet sich ihr Blick forschend in die Ferne, wobei der leicht abgestützte Kopf eine Haltung intensiver Nachdenklichkeit anzeigt. Verschiedenfarbige Stoffschichten, die sie umgeben, symbolisieren einerseits den Luxus autonomen, unreglementierten Denkens, andererseits die thematische Vielseitigkeit der Philosophie. Dabei sorgt das leuchtende Orange ihrer Kopfbedeckung für einen größtmöglichen Helligkeitskontrast zum Schwarz der höhlenartigen Rundung im Hintergrund: Sollte es sich um eine Anspielung auf Platons berühmtes Höhlengleichnis handeln, nach dem wir die Wirklichkeit nur in Schattenbildern sehen? Der schemenartige Lichteinfall in das Dunkel oberhalb der rechten Schulter könnte dafür sprechen. Oder ist es vielmehr ein Spiegel, der das Stückwerk aller Erkenntnis, von dem Paulus im 13. Korintherbrief spricht, symbolisiert? Wie dem auch sei - dass Unterarme und Brustbereich der Philo-Sophia (=Weisheitsliebe) dem hellen Licht nackt ausgeliefert sind, während über dem Gesicht ein Schatten liegt, mag auf die der unzulänglichen Erkenntnis des Kopfes gegenüber größere Wahrheitsnähe des Herzens, des Gefühls, einerseits, der Hände, der Praxis, andererseits deuten.

Allegorie der Philosophie
 
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